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Bagutti

Giovanni Battista Bagutti wurde am 6. April 1742 in Rovio geboren (in der Strasse vom Luganersee ins Val d’Intelvi und zum Comersee); über seine Familie ist nur wenig bekannt, doch in dem kleinen Weiler gab es, wie in vielen in der Region dies- und jenseits der Grenze, eine bescheidene kunsthandwerkliche und künstlerische Tradition. Im Jahre 1763 schrieb er sich an der angesehensten “modernen” Akademie Norditaliens in Parma ein, wo er einige andere “Tessiner” Künstler kennenlernte, mit denen er in losem Kontakt stand. Darunter waren vor allem der Architekt Simone Cantoni, der Ornamentmaler Giocondo Albertolli und der Maler Domenico Pozzi, mit denen er die Ausbildung und den Geschmack des neuen klassizistischen Stils teilte.

Seine Hinwendung zur Moderne ermöglichte es, dass er für sein Werk Deianira (1765) den Preis für Malerei gewann. Er hielt sich mit Sicherheit einige Jahre in Rom auf, gemäss der Ausbildungslogik und Tradition seiner Landsleute, die seit Jahrhunderten in der Urbe tätig waren; ebenso musste auch er sich nördlich der Alpen auf Arbeitssuche machen, auch wenn sein Aufenthalt dort später, 1802, nur in der Pfarrkirche von Altdorf bezeugt ist, während er sich 1777 in Genua aufhielt.

Seine Arbeit war scheinbar fast ausschliesslich auf den Kanton beschränkt – er war nur einmal in Mesolcina tätig– und hier insbesondere südlich von Ceresio. Als hervorragender Kenner der Freskenmalerei zeigte er in Werken wie den Medaillons aus dem Jahre 1774 im Gewölbe der Kirche San Giovanni in Mendrisio, dass er die luftige Leichtigkeit des besten europäischen Rokokostils aufgreifen wollte, wobei er sich klar an dem Schaffen des Künstlers Carlo Innocenzo Carloni aus dem Val d'Intelvi orientierte. Doch in anderen Werken, vor allem in Übergangszeiten oder in den “Transparenten”, verstand er es, die Traditionen des 18. Jahrhunderts mit einer definitiv moderneren klassizistischen Strenge zu kombinieren.

Er arbeitete überwiegend in kirchlichen Bauten (die wenigen sicheren Auftraggeber im Kanton) an religiösen Motiven, oft mit lebhafter, wohl durchdachter Freude am Erzählen, und hat uns auch eine Szene aus der Mythologie im Salon des Palazzo Petrucci in Maroggia hinterlassen (dem späteren Don Bosco-Internat), die Opferung der Iphigenie im Museum von Mendrisio und einige Porträts, darunter das amüsante Porträt von Alfonso Turconi, dem Herzog aus Como und Stifter des Spitals von Mendrisio.

Mindestens einer seiner Söhne, Abbondio, wurde später auch Maler; ihm werden einige “Transparente” zugeschrieben, ohne dass man jedoch dessen sicher sein kann, wenn man berücksichtigt, dass seine besten Vergleichswerke die Fresken in der Kirche San Sisinio in Mendrisio sind, die 1816 neben dem weiteren vermutlichen Schöpfer der “Transparente”, Francesco Catenazzi, ausgeführt wurden. Beide werden - vielleicht aus diesem Grund - als Schüler Giovan Battistas angesehen.

Er starb am 28. November 1823 in Rovio.

1994 widmete ihm die Pinakothek Züst in Rancate eine Ausstellung; der Katalog wurde von Edoardo Augustoni und Ivano Proserpi kuratiert.