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Die Strecken

Nach heutigem Kenntnisstand gibt es keinerlei Hinweise, dass sich die Prozessionsstrecke im 16. und 18. Jahrhundert sehr von der heutigen unterschied, unter Berücksichtigung der baulichen Veränderungen innerhalb der Ortschaft. Kurz gesagt: Man startete an der Kirche San Giovanni, am nördlichen Rand des Weilers, ging die Hauptstrasse entlang (Via Stella und Via San Damiano) bis zur Pfarrkirche, die auf der heutigen Piazza del Ponte steht, mit der Fassade senkrecht zum noch existierenden Turm, über die breite Brücke über den Morèe, die als Platz hinter der Kirche diente, und bog dann in den heutigen Corso Bello in Richtung des anderen Tors am südlichen Dorfrand auf die Piazzetta Borella ab. Es ist fast sicher, dass die Prozession weiter führte bis zur Kirche San Francesco des Kapuzinerklosters, vielleicht über die alte Strasse nach Coldrerio, die dem heutigen Vicolo Odescalchi entsprechen könnte, der genau vor die Kirche führt.

Auf dem Rückweg machte man vielleicht vor der Piazzetta Borella eine kleine Schleife, je nach vorhandenen Durchgangswegen, während der heutige Verlauf zweifellos ab dem späten 19. Jahrhundert besteht, seit dem Bau von Fahrwegen: auf der breiteren Via Gismonda, Largo Bernasconi, über den Kirchplatz von San Francesco, über die Via Baroffio und dann wieder über die Piazzetta, von wo aus man unweigerlich die Strasse zur Piazza del Ponte einschlägt.

Mit Sicherheit führte die alte Prozession entweder auf dem Hin- oder auf dem Rückweg an der Kirche Santa Maria nascente vorbei, da die Gründonnerstagsprozession von den Brüdern des Heiligen Sakraments organisiert wurde, die hier bis 1585 ihren Sitz hatten; doch im Jahre 1792 führten die Serviten Marias die Prozession über einen Umweg über die Piazzetta Fontana und Via Stelle, um die neuen “Transparente” besser “geniessen” zu können und um dem kalten Luftzug auszuweichen, der noch heute oft die Via Selvetta hinunter bläst, mit der Ausrede, dieser “würde die Kerzen ausblasen”.

Damit man an der neuen Pfarrkirche vorbei kam, die auf der Anhöhe gebaut wurde, die die alte Piazza überragte, machte man ab ungefähr 1870, auf dem Hinweg eine Schleife, die Via Bosia, Via Pretorio vecchio, Via Nobili Rusca hinauf, und wieder über die “neue” Via Croci (die im 19. Jahrhundert nur eine Gasse war) hinab bis zur Piazzetta Fontana (die im 20. Jahrhundert ebenfalls vergrössert wurde), um dann scharf in die Via San Damiano in Richtung Piazza abzubiegen.